Ikone: Taufe Jesu

Aus: Jezus von Nazareth- Joseph Ratzinger Benedict XVI Herder Verlag p.45.-p.46.

Die Ostkirche hat in ihrer Liturgie und ihrer Ikonen-Theologie dieses Verstehen der Taufe Jesu weiter entfaltet und vertieft. Sie sieht einen tiefreichenden Zusammenhang zwischen dem Gehalt des Festes Epiphanie (Proklamation der Gottessohnschaft durch die Himmelsstimme; die Epiphanie ist der Tauftag des Orients) und Ostern. In dem Wort Jesu an Johannes "Es ziemt sich, alle Gerechtigkeit zu erfüllen" (Mt 3,15) sieht sie die Vorwegnahme des Getsemane-Wortes "Vater... nicht mein Wille geschehe, sondern der deinige" (Mt 26,39): Die liturgischen Gesänge des 4. Januar entsprechen denen des Mittwoch in der Karwoche, die des 4- Januar denen des Gründonnerstag, die des 5. Januar denen von Karfreitag und Karsamstag.

Die Ikonographie nimmt diese Entsprechungen auf. Die Ikone der Taufe Jesu zeigt das Wasser wie ein flüssiges Grab, das die Form einer dunkien Höhle hat, die ihrerseits das ikonographische Zeichen für den Hades, die Unter­welt, die Hölle ist. Das Hinabsteigen Jesu in dieses flüssige Grab, in dieses Inferno, das ihn ganz umschliefSt, ist so Vorvollzug des Abstiegs in die Unterwelt: "Hinabgestiegen in die Wasser, hat er gebunden den Starken" (vgl. Lk n,22), sagt Cyrill von Jerusalem. Johannes Chrysostomus schreibt: "Untertauchen und Auftauchen sind das Bild für Abstieg in die Hölle und Auferstehung." Die Troparien der

byzantinischen Liturgie fügen noch einen weiteren sym­bolischen Bezug hinzu: "Der Jordan wich damals zurück vor dem Mantel des Elisäus [ElischaJ, die Wasser teilten sich und gaben einen trockenen Weg frei als wahrhaftiges Bild für die Taufe, durch die wir die StrafSe des Lebens durchschreiten" (Evdokimov, a. a. 0., S. 246).